Grüße aus der Ferne

Christen gibt es in allen Regionen dieser Erde und sie leben dort teilweise unter sehr anderen Bedingungen als wir. Andere gesellschaftliche Strukturen, andere Traditionen und Mentalitäten führen zu ganz eigenen Stilen, mit dem christlichen Glauben umzugehen. Wir waren neugierig, wie Christen aus der Ferne ihren Glauben leben und was wir vielleicht von ihnen lernen können. Ricardo Bergen aus Paraguay und Karlīna Rozenfelde aus Lettland haben uns einen kleinen Einblick in ihr Glaubensleben gewährt.

¡Hola!

Ich lebe mit meinener Frau Leila im Paraguayanischen Chaco. Das ist eine wunderschöne Gegend mit Trockenwäldern und Dornbuschsavannen. Seit wir uns 2012 in der Mennonitengemeinde in der deutschen Kolonie Neuland haben taufen lassen, besuchen wir den Gottesdienst in der kleinen Gemeinde „Nueva Jerusalem“. Der Gottesdienst und der Umgang der Kirchenmitglieder untereinander sind sehr persönlich. Der Gemeindeleiter geht sehr individuell auf jeden einzelnen Besucher ein.

Im Gegensatz zur deutschen Gemeinde ist unsere Musik meist laut und viel flotter – auch wenn die Texte sich inhaltlich häufig ähneln. Ich glaube, das ist etwas, das vielleicht auch andere von den Lateinparaguayanern lernen könnten: Als Gläubiger mit mehr Freiheit und Lockerheit über den Glauben zu sprechen und zu diskutieren – sei es mit Christen oder mit Nichtchristen, Bekannten, Freunden oder Fremden.

Aber jeder Christ lebt seinen Glauben anders aus und deshalb können wir alle voneinander lernen. Doch aus meiner Sicht ist die Gemeinde besonders wichtig für jeden einzelnen Christen, denn immer wieder sind wir auf die Hilfe der Glaubensgeschwister angewiesen. Deshalb ist es gut, wenn jeder Christ sich wohlfühlt in seiner Gemeinde und – bei aller Unterschiedlichkeit – sollten wir uns immer bewusst machen, dass alle Gemeinden zu Gott gehören – unabhängig von ihren unterschiedlichen Traditionen und Kulturen.

Im Alltag spielt die Beziehung zu Jesus für gläubige Lateinparaguayaner nach meiner Erfahrung eine große Rolle. Man erkennt, dass sie es mit dem Glauben ernst meinen und versuchen mithilfe des Heiligen Geistes die Anweisungen Gottes aus der Bibel zu befolgen. Das merkt man im täglichen Umgang miteinander und in der Zusammenarbeit, die meistens auch besser klappt. Wir versuchen uns gegenseitig auch im Alltag ein Vorbild zu sein und uns so gegenseitig im gelebten und lebendigen Glauben an Jesus Christus zu unterstützen.

¡Saludos desde Paraguay!

papierfliegerKopie(c) Felix Pergande – Fotolia.com

Sveiki!

Wer Lettland, dem mittleren der drei baltischen Staaten, einen Besuch abstattet, findet die bezauberndsten weißen Sandstrände Europas und ein Volk, das über die Jahrhunderte hinweg sich seine Freiheit erkämpfen musste. Ein Volk, das tief verwurzelt ist in keltischen und germanischen Mythen und Aberglauben. Christliche Glaubensvorstellungen verblassten im Zuge der sowjetischen Okkupation und heute bekennt sich nur noch eine kleine Minderheit zum christlichen Glauben.

Doch durch unser kleines Land geht eine Bewegung. Ein Aufbruch und eine Wiederentdeckung des Christentums. An vielen Orten gründen sich kleine Gemeinden und Hauskreise. Eine dieser Gruppen habe ich in Riga mitgegründet. Wir starteten vor fünf Jahren als kleiner Kreis von vier Freundinnen, die zusammen Jesus kennenlernten. Zu Beginn ähnelte unsere „Kirche“ eher einer Hausparty. Wir luden einfach jeden ein, der Interesse an Gott zeigte, kochten und redeteten miteinander und entdeckten unseren neuen Weg mit Gott. Unsere Gruppe wurde immer größer, bis schließlich unsere Privaträume nicht mehr ausreichten. Doch wir erlebten auch harte Zeiten und schwierige Phasen des Lernens: Einige Mitglieder mussten unser Land verlassen, andere verloren ihren Job und eines unserer Mitglieder wurde fast von ihrem Arbeitgeber gefeuert, weil sie Christin war.

In vielen Gebeten fragten wir Gott, weshalb wir mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten und verstanden schließlich: Jesus nachzufolgen, ist nicht immer ein glücklicher und einfacher Weg. Beim Lesen der Bibel fiel uns auf, dass viele, die für Gott arbeiten wollten, durch harte Zeiten gingen. Mose war 40 Jahre in der Wüste, Josef verbrachte zwei Jahre im Gefängnis. Paulus erzählt von seinen schweren Zeiten in einem seiner Briefe. Viele der ersten Apostel wurden getötet. Wir lernten, dass ein Leben mit Jesus vielleicht häufig unsicher und hart ist, aber es geht immer weiter. Wir wollen Gott vertrauen trotz aller Umstände und für den Auftrag leben, für den wir hier sind.

Deshalb erinnern wir uns immer wieder an das Erste und Wichtigste, was wir durch den Heiligen Geist gelernt haben: Liebt euch gegenseitig, wie Er euch liebt. Liebt euch gegenseitig in schweren Zeiten!

Sveicieni no Latvijas!

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