BEDACHT - das christliche Hochschulmagazin - Endstation: Friedhof ?!

Endstation: Friedhof ?!

Eine Umfrage der Bertelsmannstiftung von 2009 ergab, dass die Mehrheit der Deutschen an ein Leben nach dem Tod glaubt; ein Drittel der Bundesbürger lehnt derartige Vorstellungen eindeutig ab. Das ist natürlich nicht verwunderlich, denn die Frage, ob es ein „Leben danach“ gibt, hängt ganz entscheidend davon ab, welches Weltbild wir vertreten. Und letztlich vor allem davon, welche Antwort wir auf die Gottesfrage geben. Gerade deshalb möchte ich diese Themen im Folgenden etwas näher beleuchten.

Bahn6006© Harald Biebel – Fotolia.com

Alles eine Frage der Weltsicht?

Leute, die mit der atheistischen Sichtweise sympathisieren, lehnen den Gedanken an ein Leben nach dem Tod natürlich ab, ein Agnostiker sieht die Sache unentschieden, ein Theist ist überzeugt, dass unsere Zukunft nicht im Grab endet. Und jeder meint, dass er richtig liege. Betrachten wir das alles aus der Ferne, ist das schon etwas seltsam. Denn rein logisch gesehen, können z.B. der Atheist und der Theist nicht gleichzeitig Recht haben: Wenn es Gott nicht gibt, dann liegen die falsch, die sagen: „Gott ist keine menschliche Projektion, sondern wirklich Realität.“ Umgekehrt gilt natürlich dasselbe. Die Wahrheitsfrage scheint also auch beim Thema „Weltsicht“ gar nicht mal so deplatziert zu sein. Gerade weil es der gesunde Menschenverstand nicht erlaubt, zwei Dinge gleichzeitig als wahr anzusehen, wenn das zu einem Widerspruch führt.

Fragt man Leute auf der Straße, warum sie denken, dass ihre Weltsicht stimmt, erfährt man aber teils Haarsträubendes: Viele begründen ihr atheistisches, agnostisches oder theistisches Weltbild zumeist damit, dass sie im Grunde noch nie ernsthaft daran gedacht haben, es einmal (kritisch) zu hinterfragen. Man hat eben schon immer so gedacht. Andere sagen, dass ihre „Prägung“ aus dem Elternhaus oder dem sozialen Umfeld, in dem sie aufgewachsen sind, komme. Das sind zwar alles Begründungen, aber bei allem Respekt: Wirklich überzeugend sind sie nicht. Eine ernsthafte Reflexion des eigenen Weltbilds sieht ganz anders aus.

Ich kann jetzt natürlich nur für mich sprechen, aber mir ist mein Leben viel zu kostbar und viel zu wertvoll, als dass ich es auf einer Weltsicht aufbauen möchte, über die ich mir noch nie so richtig Gedanken gemacht habe. Ich denke, wenn wir unser Leben auf etwas aufbauen, dann doch auf einem Weltbild, das uns wirklich gute Gründe dafür liefert. Aber glücklicherweise gibt es nicht nur die, deren Begründung des eigenen Weltbilds etwas unreflektiert daherkommt. Viele haben sich durchaus gute Gedanken gemacht und kamen zum Schluss: „Weil es keine guten Gründe für Gott gibt, ist das für mich kein ernsthaftes Thema.“ Oder: „Da die Frage nach Gott nicht beantwortbar ist, stelle ich sie mir nicht.“ Ich kann diese Einwände gut nachvollziehen.

Glaube hat gute Gründe

Als Christ bin ich aber davon überzeugt, dass Glaube gute Gründe vorzuweisen hat. Glaube ist zwar nicht beweisbar, doch aber gut begründbar – nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv. Eine steile These, ich weiß. Die bedarf natürlich einer Erklärung. Was sind also meine guten Gründe, den christlichen Glauben ernst zu nehmen? Und keine Sorge: Ich bin nicht deshalb Christ, weil meine Eltern Christen sind – das sind sie nicht. Ich bin auch nicht Christ, weil ich das schon immer war – dem war nämlich nicht so. Ich bin auch nicht Christ, weil ich denke, dass die Bibel wahr ist, weil sie eben wahr ist. Warum also dann?

Vielleicht überrascht es einige, aber gerade als Christ sage ich: „Von mir aus kann ich nichts über Gott sagen.“ Wie sollte ich auch? Gott ist mit den Mitteln der Wissenschaft nun einmal nicht zu erfassen. Er ist ja kein Gegenstand dieser Welt. Nein, wenn es Gott wirklich gibt, sind wir darauf angewiesen, dass er sich uns mitteilt. Und hier treffen wir auf einen zentralen Aspekt des christlichen Glaubens. Christen glauben: Gott hat sich mitgeteilt. Nicht in einer Ideologie, nicht in einer Institution und übrigens auch nicht primär in einem Buch – sondern in einer Person: der Person Jesus Christus. Für Christen ist Jesus deshalb so etwas wie die erkenntnistheoretische Grundlage, überhaupt etwas über Gott zu sagen. Und wenn man mich fragt, warum ich davon ausgehe, dass Gott sich in Jesus mitgeteilt hat, würde ich antworten: „Weil Jesus genau das von sich behauptet – und ich ihm glaube.“

Die Evangelien – historisch zuverlässig?

Das bedarf natürlich erst recht einer guten Erklärung. Und eine der ersten Fragen in diesen Zusammenhang ist häufig: „Hat das Jesus wirklich von sich behauptet? Mal ganz
ehrlich: Die Evangelien sind doch im Grunde keine historisch ernst zu nehmende Lektüre.“ Ich kann diesen Einwand zwar verstehen, aber er stimmt nicht ganz: In der historischen Jesusforschung wird heutzutage kaum noch angenommen, dass die Evangelien historisch unzuverlässig seien. Die aktuelle Leben-Jesu-Forschung zeigt vielmehr, dass der christliche Glaube „auf dem Wirken und Geschick einer Person gründet, die sich, wenn auch nicht in jedem Detail, so doch in wichtigen Facetten auch heute noch nachzeichnen lassen“ (Schröter 2010: 36). Wer sich da mal etwas genauer einlesen mag: gerne. Und auch die textkritische (sprich sprachwissenschaftliche) Forschung unterstreicht, dass die handschriftliche Überlieferung des neutestamentlichen Textes sehr treu und im Wesentlichen zuverlässig erfolgt ist, so dass man mit großer Sicherheit sagen kann, dass von textkritischer Seite keine Bedenken bestehen, dass der Text willentlich und grundsätzlich von späteren Tradenten verfälscht worden sein könnte (vgl. z.B. J. Schröters „Jesus von Nazaret“ (2010), G. Theißens „Der historische Jesus. Ein Lehrbuch“ (2011) oder auch P. Wicks (2011) „Methodenlehre zum Neuen Testament“).

Ob es uns also gefällt oder nicht: Die Evangelien sind historisch ernst zu nehmen; folglich auch die Behauptung Jesu, selbst Gott zu sein. Vor diesem Hintergrund gibt es nur drei Möglichkeiten, wie wir über Jesus denken können: Entweder war er ein Hochstapler, und zwar genau dann, als er wusste, dass er nicht Gott ist, es aber trotzdem sagte. Oder: Jesus war eine Art Geistesgestörter und zwar genau dann, wenn er es aus irgendeinem Grund nicht wusste, dass er nicht Gott ist, es aber trotzdem sagt. Oder aber: Es stimmt, was er von sich behauptete. Und sicher: Würde die einschlägige Sprach- und Geschichtsforschung die Historizität der Evangelien nicht bestätigen, gäbe es noch viele weitere Optionen. Da das aber gerade nicht der Fall ist, kommen nur diese drei Optionen in Betracht. Auch nicht, bei allem Respekt, die vieler muslimischer Zeitgenossen, die sagen, dass Jesus lediglich ein Prophet sei.

Jesus – ein anständiger Typ?

Aber trotzdem gibt es nicht wenige, die sagen: „Für mich bleibt Jesus ein vorbildlicher Mensch. Er hat so viel Gutes gesagt und getan, nur das ist wichtig. Diesen dogmatischen Ballast mit „Sohn Gottes“ usw. – den brauche ich nicht.“ Die Sache hat nur einen Haken. Wenn man sieht, wie Jesus beschrieben wird, merkt man: Sein Gottesanspruch ist keine Randnotiz, sondern steht im Zentrum seines Redens – ist sogar der Grund, warum er letztlich zum Tode verurteilt wurde. Wer das ausblendet und sagt: „Jesus war ein Vorbild“, gibt sich mit einer Halbwahrheit zufrieden. Betrachten wir Jesus aber im Ganzen, sehen wir: Entweder war er viel weniger als ein vorbildlicher Mensch, nämlich ein Betrüger oder Geisteskranker, oder er war viel mehr als ein vorbildlicher Mensch, nämlich wirklich Gott selbst.

Was kann man mit diesen Gedanken nun anfangen? Mein Vorschlag: Jeder sollte sich am besten selbst eine eigene Meinung bilden. Lege Dir einfach einmal ein Neues Testament zu, vorzugsweise in einer gut lesbaren Übersetzung, und lies die historischen Berichte, wie Jesus seinerzeit aufgetreten ist. Und frage Dich dabei selbst: „Macht dieser Jesus den Eindruck, ein Lügner oder Verrückter zu sein? Oder macht er den Eindruck, zu wissen wovon er spricht?“ Du merkst es wahrscheinlich: Genau hier spitzt sich die ganze Gottesfrage zu einer sehr konkreten Vertrauensfrage zu – nämlich: „Was halte ich von Jesus?“ Ich habe einst gemerkt, dass Jesus wohl ziemlich genau wusste, was er von sich gibt.

Aber das ist natürlich kein wirklich guter Grund für den christ-lichen Glauben, das ist mir klar. Es ist aber immerhin ein erster und meines Erachtens nach ernst zu nehmender Anhaltspunkt, auf dem weiteres Nachdenken aufbauen kann. Und es gibt noch weitere Orientierungsmarker, die wir berücksichtigen können.

Fakt oder Fiktion? Die Auferstehung Jesu

Ich erzähle Dir jetzt sicher nichts Neues: Nach christlicher Überzeugung ist der Anspruch Jesu, Gott selbst zu sein, an einem Punkt bestätigt worden – in der Auferstehung. Christen glauben, dass das Leben Jesu nicht im Grab geendet hat, sondern, dass er zu neuem Leben auferstanden ist. Und dass die Auferstehung tatsächlich ein historisches Ereignis war, das der kritischen Überprüfung standhält. Wie andere historische Ereignisse auch ist die Auferstehung zwar nicht im strengen Sinne beweisbar; trotzdem gibt es gute Gründe, die sie denkmöglich und begründbar machen.

Vor diesem Hintergrund möchte ich im Folgenden zwei historische Fakten vorstellen – zwei Fakten, die von der breiten Mehrheit der historischen Forschung als stabil betrachtet werden. Aber eines noch vorweg: Ich möchte mit den folgenden Ausführungen nicht sagen, dass es für die Erklärung der Fakten keinerlei andere denkmögliche Erklärung als die Auferstehungsthese gibt. Ich möchte „nur“ aufzeigen, dass die Auferstehung eine durchaus denkbare Erklärung der Fakten ist – natürlich nur, wenn man die Möglichkeit von Wundern nicht prinzipiell ausschließt. (Anmerkung des Autors: Das wäre dann aus meiner Sicht aber kein offener Forschungsansatz, sondern einer, der von einem festen Denksystem ausgeht – bei dem Wunder deshalb kategorisch verneint werden, da sie nicht in die eigene Weltsicht passen. Wenn ich allerdings so vorgehe, wird es nie Argumente geben, die mein Weltbild in Frage stellen. Das wäre dann vielleicht vergleichbar mit dem geschlossenen Weltbild des Mittelalters, wo man auch alle Dinge ins vorherrschende System gebracht hat. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte Sie gar nicht zur Leichtgläubigkeit motivieren, lediglich zu einen gewissen Offenheit, bei der Skepsis natürlich erlaubt ist.)
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